Wie veröffentlichen Wissenschaftler ihre Arbeit?

Wie veröffentlichen Wissenschaftler ihre Arbeit?

Wie funktioniert der Prozess des wissenschaftlichen Publizierens?

Forscher müssen ihre Erkenntnisse weitergeben, ihre Arbeit besteht darin, Wissen zu generieren und zu vermitteln. Der (naheliegendste aber nicht einfachste oder „beste“) Weg defür ist die Veröffentlichung in Fachzeitschriften (sog. journals).

  • Einreichen: Auswahl einer Zeitschrift und Einreichung des Manuskripts entsprechend den Anforderungen des Herausgebers

  • Überarbeitung: Der Herausgeber der Zeitschrift organisiert die Begutachtung durch Fachkollegen

  • Gutachter: (mehrere) Gutachter kommentieren und empfehlen Anpassungen des Manuskripts

  • Annahme: das überarbeitete Manuskript wird von der Zeitschrift angenommen (oder erneut abgelehnt)

  • Veröffentlichung: Redakteur oder Verlag stellen das Manuskript fertig (Lektorat, Satz, Layout der Zeitschrift, Druck oder Online-Veröffentlichung)

 

Welche Arten von Journals gibt es?

In der Regel kann man zwischen open access und traditionellen journals unterscheiden. Bei der Veröffentlichung in einem open access journal sind die Forschungsergebnisse für jedermann zugänglich und erreichen ein breiteres Publikum. Traditionelle journals hingegen sind weithin anerkannt und haben ein gewisses Prestige. open access journals werden immer noch als minderwertige Zeitschriften wahrgenommen, was nicht unbedingt stimmt. Doch die Branche befindet sich im Umbruch – selbst einige traditionelle Zeitschriften werden inzwischen als Mischformen betrachtet, die neben der traditionellen Veröffentlichung auch open access anbieten.

 

Was ist ein peer-reviewed journal?

Eine Begutachtung durch Gleichrangige – d. h. durch andere Experten auf dem Gebiet – gewährleistet die hohe Qualität und verhindert Plagiate oder Fehlverhalten aufgrund ihres eigenen profunden Wissens. Die Begutachtung durch Fachkollegen ist Teil des Redaktionsprozesses für eingereichte Manuskripte. Die Gutachter werden von den Herausgebern der Zeitschrift, nicht vom Autor, ausgewählt und bewerten den Inhalt auf wissenschaftlichen Wert, Gültigkeit und Originalität. Sind das Studiendesign und die Methodik angemessen? Sind die Ergebnisse gültig und aussagekräftig? Nach dem Hinzufügen von Kommentaren zum Manuskript kann dieses vom Autor überarbeitet und erneut zur endgültigen Veröffentlichung bei der Zeitschrift eingereicht werden. Dieses Verfahren nennt man peer review.

 

Bekommen Forscher Geld für ihre Veröffentlichung?

Im Gegenteil – Forscher zahlen eine Gebühr, wenn sie ein Manuskript bei einer Zeitschrift einreichen, vor allem für die Kosten der Bearbeitung und der Begutachtung durch Fachkollegen. Auch nach der Annahme des Manuskripts fallen einige Kosten an. In traditionellen Zeitschriften müssen Autoren in der Regel eine Gebühr pro Seite entrichten, während sie in open access journals eine Bearbeitungsgebühr für den Artikel zahlen müssen. Außerdem ist es empfehlenswert, in open access journals oder in traditionellen journals mit angemessenen Abonnementgebühren zu veröffentlichen – sonst kann sich niemand ein Abonnement leisten – was Lesern und Autoren schadet.

 

Woher weiß ich, ob ein journal einem peer-review Verfahren unterliegt?

Am sichersten ist es, auf der Website der Zeitschrift nach Informationen zu suchen. Dort sollte eine Beschreibung der Manuskriptbearbeitung einschließlich der Peer-Review-Methode zu finden sein. Hier stellt beispielsweise der weithin bekannt Verlag Elsevier sein Peer-Review-Verfahren vor.

 

Was sind predatory publishers?

Es ist nicht abwegig, dass nach wie vor Studien minderer Qualität veröffentlicht werden. Verlage, die Gebühren verlangen, ohne redaktionelle und verlegerische Leistungen zu erbringen, werden als predatory publishers (dt. Raubverlage) bezeichnet. Man nennt sie predatory publishers, weil man annimmt, dass sie Autoren zur Veröffentlichung verleiten, obwohl in akademischen Kreisen allgemein bekannt ist, dass sie Arbeiten von geringer Qualität veröffentlichen. Im Internet sind einige Listen verfügbar, in denen predatory publishersanhand verschiedener Kriterien aufgeführt sind, beispielsweise Predatory Journals oder Beall’s List. Wenn Du eine Studie eines solchen journals vor dir hast – Finger weg!

 

Rankings - Was ist der Unterschied zwischen impact factor und h-Index?

Der Impact-Faktor ist der am weitesten verbreitete Parameter, der die Qualität wissenschaftlicher Veröffentlichungen widerspiegelt, ist jedoch umstritten. Er errechnet sich aus dem Verhältnis zwischen den Zitierungen und den jüngsten (in den letzten zwei Jahren) zitierfähigen Artikeln und ist daher ein Maß für die aktuelle Zeitschriftenqualität.Kurz gesagt – wie oft wurde in den letzten zwei Jahren ein Artikel zitiert. Diese Bewertung ist recht kurz gedacht.

Zusätzlich gibt es den h-Index, der sich auf die Leistung eines einzelnen Wissenschaftlers im Laufe seines Lebens bezieht. Er basiert auf Quantität (Anzahl der Veröffentlichungen) und Qualität (Anzahl der Zitierungen).

Die Faktoren können schwanken und lassen sich nicht zwischen verschiedenen Wissenschaftsbereichen vergleichen. Jemand, der viele Studien veröffentlicht (die nicht gut sein müssen) und sich gegebenenfalls noch selbst zitiert, hat ein künstlich hohen Imapct-Factor, der jedoch nichts über die Qualität der Arbeiten aussagt. Ein fundierteres Ranking bietet beispielsweise das Scientific Journal Ranking SJR. Es zielt darauf ab, diese Unterschiede zu glätten und einen Vergleich unabhängig vom Wissenschaftsbereich zu ermöglichen und erlauben es uns, den wissenschaftlichen Einfluss einer Zeitschrift aus verschiedenen Perspektiven zu erfassen.

 

Zum Weiterlesen:

 

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