Wie Medien die Wissenschaft Untergraben

Wie Medien die Wissenschaft Untergraben

Sie Nutzen Deine Angst, um Aufmerksamkeit zu bekommen

In der Wissenschaft zu arbeiten ist hart. Mitten in der Nacht ins Labor, um die Zellen zu füttern, bis spät im Büro, um Forschungsgelder zu beantragen, nächtelanges schreiben von Papern oder Abschlussarbeiten. Um wissenschaftliche Fragen zu beantworten, braucht es Durchhaltevermögen und Disziplin. WissenschaftlerInnen tun dies, um Fragen zum Leben, zum Altern, zur Medizin, zur Ernährung, zur Umwelt zu beantworten. Antworten, die Dein Leben schon heute bestimmen und mit Sicherheit schon verbessert haben. Ohne die Wissenschaft, wäre das Leben nicht annähernd so, wie es heute ist.

Es ist nicht einfach, es ist nicht schwarz-weiß, und diese wissenschaftlichen Fragestellungen lassen sich nicht immer mit einem klaren Ja-oder-Nein beantworten: A ist gut und B ist schlecht. Die WissenschaftlerInnen wissen am besten, wie unbefriedigend das ist, denn wer wünscht sich nicht klare Antworten und am besten eine Anleitung für’s Leben? Doch wie immer – so einfach geht es nicht.

 

Zudem schwebt das ständige Gerede von politischer und finanziell beeinflusster Wissenschaft, Korruption, Manipulation und Lügen, über dem Image der WissenschaftlerInnen. Die sind doch gekauft! Die Ergebnisse sind doch gefälscht! Das mag in einigen wenigen Fällen zutreffen, da habe ich keinen Zweifel, doch gerade in wichtigen Fragestellungen, wird dieses „Argument“ herangezogen, um die Glaubwürdigkeit eines jeden Wissenschaftlers und jeder Wissenschaftlerin zu hinterfragen und zu diskreditieren. Sobald etwas umstritten oder unbequem wird, muss es sich um fehlerhafte Wissenschaft handeln.

Leider ist es das Hauptargument derer, die sonst keine Argumente haben. Immer wieder wird sich auf Korruption und Manipulation berufen, um zu polarisieren und zu verwirren, anstatt selbst Erklärungen abzugeben. Stattdessen wird ausgenutzt, dass die Menschen sich verloren fühlen und nicht mehr wissen, was sie noch glauben können. Die Wissenschaft bietet ihnen keinen sicheren Hafen mehr. Sie ist zu undurchsichtig, eine eingeschworene Gemeinschaft, voller Tierversuche und Grausamkeiten, und am Ende lügt sie nur. Wir müssen dieses Image ändern, um das Vertrauen der Menschen zurückzugewinnen.

 

Die Medien nutzen aus, dass Menschen sich verloren fühlen.

Ihr Hauptargument sind Emotionen, nicht Tatsachen.

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Ich persönlich stehe für die WissenschaftlerInnen ein. Und das hat einen einfachen Grund. Um WissenschaftlerIn zu sein, bedarf es einer besonderen Persönlichkeit und das macht sie für mich zu vertrauenswürdigen Menschen. WissenschaftlerInnen sind genau, analytisch, rational, aufrichtig, ehrlich, aufopferungsvoll und perfektionistisch. Ein Ergebnis zu fälschen, käme ihnen nicht in den Sinn, denn das würde ihre Glaubwürdigkeit und alles, wofür sie gearbeitet haben, untergraben und ihre Stunden im Labor sinn- und wertlos machen. Kein Wissenschaftler würde sich das selbst antun.

Natürlich gibt es Voreingenommenheit – negative Ergebnisse, die nicht so wichtig sind wie positive, Voreingenommenheit bei der Veröffentlichung durch bestimmte große Fachzeitschriften, Parteilichkeit und die allgemeine Frage, woher das Geld kommt. Aber es sind weder die Wissenschaft noch die WissenschaftlerInnen, die fehlerhaft sind. Es sind Politik und Kapitalismus.

 

 

 

Das Hauptproblem ist das Wissenschaftsmarketing. Sie verkauft sich einfach nicht sehr gut. Wissenschaftliche Themen sind den Leuten schwer zu vermitteln – ohne dass sie nach drei Sätzen wegnicken.  Und die Medien halten uns dabei nicht gerade den Rücken frei. Stattdessen feuern sie das Unverständnis und die Verwirrung mit unlauteren Mitteln an. Statt mit Fakten kämpfen sie mit Emotionen und die Wissenschaft hat ihnen nichts entgegenzusetzen. Mit langweiligen Thesen, die weder bestätigt noch widerlegt werden können und einfach zu komplex sind, um sie zu erklären.

Die Medien bieten eine Abkürzung, eine einfache Lösung, eine klare Antwort, ein einfaches Gut oder Schlecht. Sie bringen schnelle Befriedigung und man fühlt sich gut, weil man vielleicht kein Gluten mehr isst, rotes Fleisch meidet oder Hafermilch trinkt und damit alles richtig macht. Sie geben einem das Gefühl, etwas Besonderes zu sein, denn Du bist derjenige, der anders denkt, Du bist nicht der Mainstream, nein, nicht Du! Du denkst voraus!

Aber so ist es nicht. Nur weil man drei Minuten über ein Thema liest, ist man noch lange nicht gut informiert. Das ist ein gefährlicher Irrglaube.

 

All I know is just what I read in the papers, and that’s an alibi for my ignorance.
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Will Rogers

Ja, wir alle essen, und wir alle haben eine Meinung über unser Essen. Aber Lebensmittel und Ernährung sind eine Wissenschaft für sich, und zwar eine verdammt komplexe. Die Ernährungswissenschaft ist ein neuer Wissenschaftszweig, der noch keine 100 Jahre alt ist – anders als die Medizin oder die Physik. Es ist noch nicht alles in Stein gemeißelt. Außerdem ist sie so komplex, dass es selbst für WissenschaftlerInnen unmöglich ist, alles zu erfassen und alle Fakten zu berücksichtigen, die eine Rolle spielen könnten. Man kann nicht einfach ein, zwei oder zehn Artikel lesen, sich als Experte bezeichnen und behaupten, dass man alle Ernährungsprobleme gelöst hat. So einfach ist das nicht. Und jeder, der eine endgültige Lösung anbietet, einen einfachen Ausweg, der behauptet, dass das eine richtig und das andere falsch ist, ist nichts weiter als ein Lügner.

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